Psychologie.Aspekte.Datenschutz

Datenschutz bedeutet (in 99% der Fälle), dass meine Daten, also Daten die etwas über meine Beschaffenheit oder meine Handlungen aussagen, davor geschützt werden, dass ich mit diesen Daten machen kann, was ich will.

Wenn ich z. B. ein Bankkonto habe (und wer hat das nicht?) und auf diesem Konto sogenannte Kontobewegungen stattfinden, dann wird mir meine Bank einen Kontoauszug schicken, ob ich das will oder nicht. Ich kann da nichts gegen machen, so ist das Gesetz. Ich kann mich nur ergeben und die Kontoauszüge freiwillig selbst vom Kontoauszugsdrucker abholen oder über Online-Banking selbst runterladen und dort "unterschreiben", dass ich sie mir geholt habe. Aber ich habe keine Möglichkeit zu verhindern, dass ich sie bekomme.

Opera ist mein Lieblings-Browser. Wenn er startet, prüft er erst mal sämmtliche lokalen Laufwerke einschließlich aller USB-Card-Reader-Slots. Warum auch immer ... und wenn ich eine neue Seite aufrufe, meldet Opera das natürlich an sitecheck.opera.com zurück, selbstverständlich nur, um mich vor fragwürdigen Seiten zu schützen. Das ist der Browser, dem ich alle meine Passwörter anvertraut habe, der meine Bookmarks und andere Einstellungen ständig unter einem personalisierten Konto bei my.opera aktualisiert und vorrätig hält. Opera ist ja sooo lieb zu mir und alles für lau ;-)

Einst hatte ich einen Telefonanschluß bei Arcor (die heißen jetzt Vodaphone und es ist auch unerheblich, dass es Arcor war, das hätte mit jedem anderen Anbieter auch passieren können) und habe diesen Anschluss unter der Adresse:
<Name meiner Ex-Freundin> c/o <Name meines Hauptmieters>
<Meine Adresse>
geführt. Ein Jahr später habe ich Werbung bekommen, nicht von Arcor oder einem Partner von Arcor, aber unter dieser einmaligen, eindeutigen und sonst nirgends angegebenen Adresse.
Jetzt möchte ich daraus nicht schließen, dass Arcor meine Daten verkauft hat. Ich schließe daraus, dass es zumindest vorübergehend einen Mitarbeiter bei Arcor gegeben hat, der vorübergehend Zugriff auf die Kundendaten hatte und diese ohne Wissen seines Arbeitgebers verkauft hat. Dagegen kann sich praktisch keine Firma schützen. Wenn so ein Maulwurf im IT-Bereich arbeitet, kann er den Angriff zielsicher, effizient und unerkannt ausführen.

Ich sagte Angriff und ich meine damit es herrscht Krieg.
Der Diktator, der diesen Krieg befohlen hat, ist als Kapitalismus bekannt, einer der vielen Synonyme für Materialismus. Es ist der Gegenspieler der Spiritualität. Beide sind keine Wesen und können deshalb auch nicht sterben. Es sind nur Namen für eine Art zu denken und zu urteilen.

Kann irgend jemand meine Daten vor Missbrauch schützen?
Nein, weder ich noch andere können das. Ich kann lediglich darauf verzichten diverse Daten zu erzeugen. Das bedeutet aber die Handlungen nicht auszuführen, die zu zum Entstehen dieser Daten führen würden. Wenn ich mich also tot stelle, erzeuge ich relativ wenig Daten. Möchte ich das Leben eines Toten führen? Ich möchte das nicht. Also gebe ich die Hoffnung auf Datenschutz auf und lebe mein Leben im Bewusstsein meines datenmäßigen öffentlichen Nacktseins. Ich laufe nicht nackt rum, trage Hosen aus Baumwolle, die undurchsichtig sind. Aber als gläserner Bürger bin ich nackter als nackt; ich bin durchsichtig.

Fange ich an, meine eMails zu verschlüsseln? Nein, denn ich will ja nicht auffallen im öffentlichen Datenstrom des Internets. Verschlüsselte eMails werden bevorzugt gesammelt. Und wenn ich mit kostenloser Software die Verschlüsselung einer DVD knacken kann, in Echtzeit, mit meinem schwachen Rechner, was werden dann CIA, KGB, MI5 und MAD und wie sie alle heißen, wohl mit meiner verschlüsselten Mail machen? Meine unverschlüsselten Emails werden sie nur sammeln und archivieren, für alle Fälle. Meine verschlüsselten werden sie  zeitnah
auch lesen - für alle Fälle! eMail-Verkehr im Internat ist so gut lesbar wie Postkarten. Selbst ich könnte den Datenstrom mitlesen, wenn ich das wollte.

Das gilt natürlich nicht nur für PC und Internet, sondern auch für den Funkverkehr, z.B. per DECT (schnurlos-Telefonie). Wie wir hier im eigebetteten Video sehen können, (Flash-Plugin aktivieren!) ist Verschlüsselung zwar möglich aber unüblich, nicht gewünscht und sowieso nicht wirksam.

Infoseite der TU-Darmstadt vom 02.01.2009 13:20


Sind die Daten auf meinem PC sicher?
Sobald ich ihn am Netz habe, sicher nicht mehr. Unangemeldete geheime Online-PC-Durchsuchung ist schon lange Fakt. Will ich meinen PC vom Netz nehmen und "toter Mann" spielen? Nein, ich jedenfalls will das nicht.

Habe ich ein google-Account? Selbstverständlich! Und ich suche auch nach "dicken Brüsten" und "Atomwaffenbauplan" angemeldet. Der Versuch unangemeldet oder irgend wie anonymisiert eine Suchmaschine zu benutzen ist reiner Selbstbetrug. Ich bleibe mir dessen bewusst, dass ich unter ständiger Beobachtung stehe. Es gefällt mir nicht, aber Verdrängung, auch die mit technischer Unterstützung, ändert nichts daran.

Als die Neanderthaler sich prügelten, da wussten sie auch nicht, dass wir später einmal mittels DNA-Analyse feststellen konnen werden, wer zu welcher Familie gehört hatte. Und wenn Du heute eine Methode kennst, die Dir heute Anonymität verspricht, was wird dann morgen sein? Dann werden Deine Daten von gestern immer noch im Archiv der staatlichen und privaten Datensammler liegen. Aber die Datensammler werden dann über mehr Methoden verfügen sie zu de-anonymisieren. Und wie gut sind Deine Informationen darüber, wozu ein "Nachrichtendienst" heute im Stande ist? Wenn sie aktuell wären, Deine Informationen, wie wärest Du an diese Informationen gekommen? Freiwillig haben sie es Dir sicher nicht verraten ;-) Sind die Informationen, die Du zu dem Thema hast echt oder eine Nebelbombe des Nachrichtendienstes oder ein Mischung daraus? Möchtest Du den Rest Deines Erdenlebens mit einer permanenten Habilitation über dieses äußerst liquide Thema verbringen? Ich nicht! Ich möchte mein Leben produktiv einsetzen.

Ich kann meinen Datenschatten nicht verhindern, aber ich kann ihn gestalten. Ich bin lieber kreativ als paranoid. Mich zu verstecken wäre für mich nicht authentisches Handeln. Informationelle Selbstbestimmung ist für mich die Frage, was ich tue, denn daraus ergibt sich, welche Daten entstehen. Ich muss mich für meinen Datenschatten nicht schämen. Ich finde, dass ich mich mit meinem interessanten Datenschatten sehr wohl sehen lassen kann. Der König soll seine neuen Kleider selber tragen.